OWV Georgenberg

Weisheiten und Sprüche

Doktor Wald

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen
mich unverstanden fühle und alt
und mich die schönsten Musen nicht liebkosen
dann konsultiere ich den Doktor Wald

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater
mein Orthopäde und mein Internist
er hilft mir sicher über jeden Kater
ob er aus Kummer oder Cognac ist

Er hält nicht viel von Pulverchen und Pille
doch umso mehr von Luft und Sonnenschein
und kaum umfängt mich seine sanfte Stille
raunt er mir zu: Nun atme Du mal ein!

Ist seine Praxis auch sehr überlaufen
in seiner Obhut läuft man sich gesund
und Kreislaufschwache, die noch heute schnaufen

sind morgen ohne klinischen Befund

Er bringt uns immer wieder auf die Beine
und unsere Seelen stets ins Gleichgewicht
verhindert Fettansatz und Gallensteine
bloß Hausbesuche macht er leider nicht.

(von einem unbekannten Verfasser)

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Ich der Baum (Meine Lebensgeschichte)

Vor ca. 85 Jahren wurde ich über ein Samenkorn geboren. Dann begann ich als kleiner Sämling mich zum Wohlgefallen der Menschen und der Natur am Fuße des Fahrenberges zu einem kleinen Bäumchen zu entwickeln.
Die ersten Jahrzehnte waren sehr schwer. Gegen Unwetter und auch Wildverbiss musste ich mich behaupten bis ich mich zu einem jugendlichen Baum entwickelt hatte.
In der Zeit des Heranwachsens erfreuten sich Familien und Wanderer an meinem grünen Kleid. Vögeln und Eichhörnchen bot ich gerne Unterschlupf an und Bussard und Habicht diente ich gelegentlich als Jagdhochsitz. Sogar eine Eule hat mich des öfteren bei Ihren nächtlichen Streifzügen besucht.

In all den Jahren galt es harten Wintern mit Schneestürmen und orkanartigen Windböen zu trotzen.
Selbst die Sommermonate waren für mich mitunter bedrohlich. Einerseits durch die Gefahr von Blitzschlägen bei heftigen Gewittern und andererseits aber auch bei langanhaltender Trockenheit, während der Durst und die Verzweiflung groß waren.
Aber all die Jahre als ich mit meinen neuen grünen Trieben den Frühling begrüßen konnte wurde ich für die Unbill des vergangenen Jahres entschädigt: Ich war wieder ein Stück größer und mächtiger geworden.

Zwei Weltkriege habe ich durchlebt, die den Menschen viel Leid gebracht haben.

Mir wurden durch Menschenhand etliche Wunden und Schrammen geschlagen. Mit meinem Harz schaffte ich es aus eigener Kraft, die Blessuren wieder zu verschließen.
Zur leichteren Orientierung der Wanderer hat man einen Wegweiser an mir angebracht.
Seit längerer Zeit haben mich auch noch Holzameisen als ihr Quartier ausgewählt und mich durch ihre Aktivität sehr geschwächt.

Nun fühle ich mich krank und kann meine Wunden nicht mehr mit meinem Harz heilen. Ich denke, dass ich an meinem Lebensende angekommen bin. Schaut euch nur mein Bild an: Ich bin am Verbluten!
Gerne hätte ich die Menschen noch einige Jahre mit meinem grünen Nadelkleid erfreut, aber ich weiß nicht ob ich dies noch lange schaffe.
Ich hoffe aber, dass meine Lebensgeschichte viele Menschen lesen und sie zum Nachdenken bringt.

Die Natur und die Umwelt sollte die Menschheit wieder mehr mit den Augen betrachten und mit den Sinnen erleben. Das wäre mein Wunsch und Vermächtnis!

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